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Aktuell im Bestattungshaus Paulsen

Spielend Abschied nehmen

Kieler Nachrichten, 28. Februar 2026, von Gritje Lewerenz

Das Figurentheater Fithe führte im Bestattungshaus Paulsen das Stück „Die besten Beerdigungen der Welt“ auf – vor jungen Zuschauern
 
Ein bunt bemalter Schreibtisch voller Schubladen. Drei Puppen. Stofftiere. Kleine Kreuze, bunte Steine und Blumen: Mehr braucht das Ensemble des Figurentheaters Fithe am Donnerstagvormittag im Bestattungshaus Paulsen in Kiel nicht, um auf anrührende und behutsame Art das Thema Tod zu vermitteln. Vor 73 Schülerinnen und Schülern der vierten Klassen der Reventlouschule wird das Stück „Die besten Beerdigungen der Welt“ gespielt. Es ist die Premiere.
Gefühle wie Verlust und Trauer durch den Tod kindgerecht in einem Theaterstück zu vermitteln: Kann das gelingen? Marie Dolders zieht ihr junges Publikum von der ersten Minute an in ihren Bann. Auf der in der Trauerhalle des Bestattungshauses errichteten Bühne schlüpft die Schauspielerin in die Rolle der Ester – einer jungen Frau, die sich bei einem Besuch bei ihren Eltern an eine Begebenheit in der Kindheit erinnert: ihre erste bewusste Wahrnehmung von Tod und Abschied.

Dolders wird zum Kind Ester, stellt dabei mit den Puppen auf dem Schreibtisch die Erinnerungen nach. Ihre Erzählungen sind mal lebhaft, mal traurig und besonnen. Ihr Kollege Jean Jadin begleitet die wechseln.den Stimmungen einfühlsam musikalisch am E-Piano.
Alles beginnt mit einer toten Hummel. Als Ester das leblose Insekt findet, empfindet sie Trauer. Sie beschließt: Das Tier soll nicht einfach so liegen bleiben. Ein würdevoller Abschied mussher. An einem besonderen Ort im Garten gräbt das Mädchen ein Loch, legt die Hummel in eine Dose und beerdigt sie. Nachbarsjunge Levi unterstützt die Zeremonie durch ein spontanes Abschiedsgedicht.


Bei der einen Bestattung bleibt es nicht. Die Kinder – zu denen sich noch Esters kleiner Bruder Putte gesellt – machen sich auf die Suche nach weiteren toten Tieren, denen sie durch eine Beerdigung die letzte Ehre erweisen können. Eine regelrechte Unternehmung wird gegründet.
Schnell zeigt sich, wie allgegenwärtig der Tod ist: Da sind etwa der verstorbene Hamster eines kleinen Mädchens, die in einer Falle getöteten Mäuse, ein plattgefahrener Igel und ein angefahrener Hase. Zuletzt ist es ein tödlich verletzter Vogel, der in den Händen der Kinder stirbt. Dieses Wesen, von dessen letztem Lebenshauch sie selbst Zeuge werden, bekommt die schönste Bestattung von allen.

Die Inszenierung basiert auf dem Kinderbuch „Die besten Beerdigungen der Welt“ des schwedischen Autors Ulf Nils.son. Darzustellen, wie man mit dem Thema Tod umgehen kann, war auch für die Theatermacher eine Herausforderung, erzählt Regisseur Heinrich Heimlich. „Trauer ist etwas sehr Intimes, das man anderen nicht unbedingt zeigen will.“
Das Theaterstück diene als Ersatzerlebnis, um die Kinder an das Thema heranzuführen, sagt Heimlich. „Es war eine Gratwanderung, nicht zu emotional zu werden und in manchen Momenten auch lachen zu können.“
Dass Heimlich sich des schwierigen Stoffes angenommen hat, ist einer Begegnung mit Anne Paulsen zu verdanken. Die Inhaberin des Bestattungshauses Paulsen in Kiel setzt sich seit 2018 ehrenamtlich mit dem Schulprojekt „Le.ben macht Schule“ dafür ein, Themen wie Verlust und Ab.schied im Umgang mit Kindern nicht totzuschweigen. Ihr Credo: „Der Tod ist Teil des Lebens.“
Wenn sie auf die Schulen zugehe, stoße sie meist zunächst auf Skepsis. „Tod ist ein Tabuthema in der deutschen Gesellschaft“, ist Paulsens Erfahrung. Viele Eltern hätten Bedenken, die Kinder zu überfordern. Dabei sind Gespräche auch über schwierige Themen wie Tod und Trauer für Paulsen eine wichtige Vorbereitung, um im Falle eines Verlusts gewappnet zu sein. „Es gibt nicht immer nur gute Zeiten im Leben.“
Als Bestatterin erlebe sie häufig, dass kleinere Kinder von Trauerfeiern ausgeschlossen würden. Viele wüssten gar nicht, was nach dem Tod mit einem Verstorbenen passiere. "Warum bezieht man die Kinder nicht mit ein und erklärt es ihnen?“, fragt Paulsen. Das Theater ist für sie ein Weg, das Thema auf eine entspannte und spielerische Art zu vermitteln.


Es scheint zu funktionieren: Die Schülerinnen und Schüler verfolgen das Geschehen auf der Bühne aufmerksam. Der Applaus am Ende ist lang. Alan beschreibt seine Gefühle: „Es war ein bisschen traurig, dass die Tiere tot sind.“
Durch einen Sterbefall in der Familie hat der Zehnjährige vor Kurzem selbst erleben müssen, was Abschiednahme bedeutet. „Ich wusste schon, wie eine Trauerfeier ist.“ Auch Mahika
(10) haben die im Stück dargestellten Bestattungszeremonien bewegt: „Ich fand es schön, wie die Kinder sich um die Tiere gekümmert haben.“
Für die Mitglieder des Figurentheaters Fithe gehört das Stück nun zum festen Repertoire. Im Sommer will die Gruppe „Die besten Beerdigungen der Welt“ auf einer internationalen Messe für Bestattungsunternehmen vorstellen und hofft auf europaweite Nachfrage. Eine Rückkehr nach Kiel ist bereits fest vereinbart: Im Bestattungshaus Paulsen sind im nächsten Jahr wieder Aufführungen geplant.
 
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